by Gunna Jöhnk
ZDF Mystery sprach mit dem Leiter des weltbekannten IzEkoHo über den immer stärker
werdenden Zulauf bei Halbmarathon-Läufen weltweit.
ZDF Mystery: Herr Prof. Dr. Schnauf-Bremser, als Leiter des Instituts zur Erforschung
komischer Hobbys, kurz IzEkoHo, sind sie in den letzten Jahren immer wieder mit
bahnbrechenden neuen Erkenntnissen über die Hobbys der Menschen an die Öffentlichkeit
gegangen und haben für kontroverse Diskussionen gesorgt. Nun haben sie sich kürzlich mit
ihren Team auf die Ursachenforschung für den immer stärker werdenden Trend des Laufens, im
speziellen eines Halbmarathons, begeben und haben einige neue Erkenntnisse in
Fachzeitschriften veröffentlicht. War es schwer, in diese Szene vorzudringen?
Hr. Prof. Schnauf-Bremser: Nun, zunächst einmal muss man sagen, dass wir für diese
Untersuchungen schon einen langen Atem brauchten, um in der Läufersprache zu bleiben (lacht). Es
ist uns aber gelungen, ein Pärchen über viele Monate unbemerkt zu beobachten.

Das heißt, sie hatten keinen direkten Kontakt mit der Gruppe, bzw. speziell mit diesem Pärchen?
Nein, es war uns wichtig, dass wir dieses Pärchen unbemerkt beobachten konnten, um das Verhalten
nicht zu verfälschen. Wir wissen ja alle, wie sich manche Menschen verändern, sobald eine Kamera
läuft, und sei es nur die eigene Handykamera.
Ihr Team hat, auch als Schutz der Privatsphäre, dem Pärchen Namen gegeben um die
Forschungsergebnisse klar zuordnen zu können. Wie kamen Sie auf diese Namen?
Bei dem Weibchen fanden wir den Namen sehr schnell. Sie scheint eine höhere Motivation zu
haben und schaffte es so, immer ihre Ziele zu erreichen und Just in Time im Ziel zu sein. Aus Just
in Time bildete sich dann schnell der Name Judith heraus. Bei dem Männchen war es etwas
schwieriger. Hier mussten wir erst mehrere Trainingsläufe beobachten. Aufgrund seiner hohen
weißen Stirn und der schweren Atmung während des Laufens, haben wir ihn letztendlich Moby
Dick getauft.

Sie sprechen von Weibchen und Männchen, fast so, als würden sie eine andere Spezies
beschreiben.
In der Tat sind wir uns inzwischen sicher, dass Läufer einer anderen Gattung des Homo Sapiens
angehören, dem Homo Ambulare.
Das hört sich eher nach Ambulanz an.
(lacht) Da liegen sie gar nicht so verkehrt, es bedeutet im Latein „laufen“. Es gibt auch andere
Übersetzungen im Lateinischen, aber wir dachten, es passt auch zu den Marathon und
Halbmarathon-Läufen, bei denen ab und zu auch die Ambulanz benötigt wird. So haben wir es auch
in Prag erlebt. Jedoch nicht bei unserem Pärchen.
Wie sind sie auf diese, sagen wir einmal, sehr gewagte These gekommen? Dies würde, wenn es
sich als wahr erweist, zu einer komplett neuen Sichtweise der Entwicklung des Menschen
führen.
Mir ist klar, dass dies erst einmal für kontroverse Diskussionen führen wird, aber das darf uns als
Wissenschaftler bei der Suche nach der Wahrheit nicht ablenken.
In der Tat wäre dies ein Einschnitt in die Entwicklung der Menschheit, wie sie es nur einmal bisher
gegeben hat, nämlich bei der Erfindung der Bratkartoffel. Diese hat ja bekanntlich dafür gesorgt hat,
dass der Mensch weg vom Jäger und Sammler zur sesshaften Kultur mit Ackerbau und Viehzucht
übergegangen ist.
Zusätzlich konnten wir gerade bei den letzten Kilometern vor dem Zieleinlauf eine Gangart
beobachten, die in der gekrümmten Art eher an den Homo Erectus erinnerte.
Doch schauen wir uns zunächst einmal den Begriff des Homo Sapiens an. Übersetzt heißt es soviel
wie „verstehender, verständiger“ oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“. Dies führt
zwangsläufig zu der Frage, welcher kluge und vernünftige Mensch fliegt in der Welt herum, nur um
einen Halbmarathon zu laufen?
Haben Menschen dies nicht schon immer gemacht? Der Marathon ist doch so entstanden?
Diesen Ansatz hatten auch wir, als wir mit der Forschung begannen. Doch schauen sie, die
Menschen waren schon immer mobil, mit dem Ziel von Punkt A nach Punkt B zu kommen. Doch in
dem von uns beobachteten Fall des Halbmarathons in Prag, ist nicht nur unser Pärchen, sondern mit
ihnen 17.000 Läufer und Läuferinnen vom Punkt A gestartet um nach knapp 21,1 km wieder am
Punkt A anzukommen. Warum läuft man diese Strecke, wenn man gleich stehen bleiben kann um
am Ziel anzukommen? Es widerspricht dem Mobilitätsgedanken der gesamten
Menschheitsgeschichte! Und wofür? Das alles für eine Banane und ein alkoholfreies Bier?
Bisher war die öffentlich Wahrnehmung jedoch so, dass es den Läufern Spaß bringt, gerade an
so einem Tag mit blauen Himmel, sowie 7-10 Grad Temperatur, durch eine so schöne Stadt wie
Prag zu laufen. Dazu noch mit vielen Menschen an der Seite und Bands, die für Stimmung
sorgen? Konnten Sie dies nicht beobachten?
Nur zum Teil. Bei Judith schien es so zu sein, sie lief mit einem Lächeln. Es könnte sich aber auch
einfach um das Einfrieren der Gesichtsmimik bei Laufen gehandelt haben, um die Energie für die
Laufmuskeln zu nutzen. Bei Moby Dick war es anders, er zeigte einen Gesichtsausdruck, als hätte
ihm Captain Ahab gerade die dritte Harpune in den Leib gerammt. Besonders bei Kilometer zwölf
war dies zu beobachten. Zur Linderung schien er auf ein altes Hausrezept des Läuferschutzbundes
IBU zurückzugreifen, welches ihm letztendlich die Möglichkeit gab, wieder zum Punkt A zu
gelangen.

Moby Dick hatte also Schmerzen?
Ja, obwohl es in der Läufer-Welt immer heißt, Schmerz ist Schwäche, die den Körper verlässt!
Im Ziel war das Pärchen jedoch wieder vereint, schien stolz zu sein und sie lächelten.
Das ist in der Tat der bisher noch unerforschte Teil. Vielleicht war Judith einfach nur glücklich, dass
sich Moby Dick nicht auf einer Sandbank zum Sterben hingelegt hatte. Oder sie war froh, schneller
zu sein als er und er war froh, alleine laufen zu können. Dazu bedarf es noch weiterer Forschungen.
Kommen wir zurück zu den Ursprüngen des Marathon. Dem Mythos zufolge nach einer
Schlacht bei Marathon entstanden, bei der ein Bote die Nachricht über den Sieg nach Athen
brachte, „Nike“ (griechische Göttin des Sieges; Anm. d. Redaktion) rief und starb. Konnten Sie
darüber mehr erfahren? Sind diese Läufe auch ein Gedenken an unsere Vergangenheit?
Das ist der mystische und eher nicht wissenschaftliche Teil. Nach intensiven Nachforschungen
erscheint dieser Mythos jedoch nur einer Werbekampagne des Sportherstellers Nike entsprungen zu
sein. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die 42 km eines Marathons auf die wissenschaftliche Arbeit
des sehr geschätzten Kollegen Douglas Adams zurückzuführen ist. Er beschreibt in seiner
Enzyklopädie „Per Anhalter durch die Galaxis“, dass die Zahl 42 die „Antwort auf die Frage nach
dem Leben, dem Universum und Allem“ ist. Läufer berichten oft, sie befinden sich irgendwann
beim Laufen in einem Tunnel. Es scheint sich dabei um eine Art Trance zu handeln, wahrscheinlich,
um die Mysterien der Welt zu verstehen, eventuell den Sinn des Laufens. Und genau hier geraten
wir in ein Paradoxon. Man muss erst Laufen, um den Sinn des Laufens verstehen zu können?
Nun sind aber Judith und Moby Dick nur einen Halbmarathon gelaufen, wie passt dies zu ihrer
Theorie?
Zunächst einmal muss man entgegen der allgemein verbreiteten Meinung sagen, dass auch ein
Halbmarathon ganz gelaufen werden muss. Heißt dies dann aber, man erhält nur die Hälfte der
Weisheiten? Ist die Antwort dann 21? Lächelt unser Pärchen im Ziel, weil sie, wenn sie ihr Wissen
teilen, dann die gesamte Weisheit erlangen? Um dies zu bestätigen, bedarf es noch weiterer
Nachforschungen.
Das heißt, wir können noch mit weiteren Forschungsergebnissen in der Zukunft rechnen?
In der Tat! Doch zunächst widmen mein Team und ich uns einem anderen komischen Hobby von
meist älteren Menschen. Hierbei schlagen sie mit einem Stock einen kleinen Ball weg, um ihn dann
hinterher zu laufen. Dieses Verhalten kennt man eher von Hunden.

Dann bleiben wir gespannt und freuen uns auf ihre nächsten Forschungsergebnisse. Vielen
Dank für das Interview, Herr Prof. Dr. Schnauf-Bremser!





